Besser Arbeiten

Probleme lösen beim Duschen: Mit dieser einen Strategie

water moments

Du gehst mit einem Problem in die Dusche rein und kommst mit einer Lösung wieder raus.

Klingt gut, oder?

Was sich wie ein feuchter Traum (im wahrsten Sinne des Wortes) anhört, ist eine bewährte Strategie bei der Lösung von Problemen

Das Zauberwort heißt: Water Moments.

 

Water Moments

Mit dem Begriff „Water Moments“ ist es bei mir wie mit vielen interessanten Dingen: Ich weiß nicht mehr, wo ich ihn das erste Mal gehört habe. Ich weiß aber noch, dass er irgendwo bei mir im Kopf ein Klicken ausgelöst und sich damit verankert hat.

Water Moments sind Augenblicke der inneren Ruhe. Während dieser Momente bist du entspannt und deine Gedanken können fließen. Sie heißen deshalb Water Moments, weil sie oft im oder in der Nähe von Wasser auftreten.

Die Begründung dafür ist ziemlich simpel. Die größte Ablenkung in unserem Alltag erfahren wir durch elektronische Helfer, speziell unser Handy. Es piept und vibriert gefühlt 24 Stunden am Tag. Diese Ablenkungen lassen natürlich keinen vernünftigen Gedankenfluss zu.

Handys haben aber alle eine gemeinsame Schwäche: Wasser. Wem von euch das Smartphone schon mal ins Wasser gefallen ist, weiß was ich meine. Deshalb haben wir unsere Handys im Wasser auch nicht mit dabei. So wird die größte Ablenkung eliminiert. Beim Duschen ist das Handy nicht mit dabei, in der Badewanne meistens auch nicht. Beim Schwimmen oder Tauchen erst recht nicht. Diese Momente sind dann geprägt von Stille und Entspannung.

Natürlich kannst du dir solche Zeiten auch erschaffen, ohne gleich nass zu werden. Handys haben dafür eine besondere App; sie heißt „Flugmodus“.
Im Flugmodus wird dich dein Handy nicht ablenken. Wenn du also keine Lust auf Duschen hast, probiere mal diesen Weg aus.

 

Mit Water Moments arbeiten

Mit Water Moments kannst du Aufgaben bewältigen. Sei es ein technisches Problem, das Arbeiten an einer neuen Geschäftsidee, oder einfach die Suche nach einer tollen Überschrift.

Water Moments sind aber kein Allheilmittel. Damit sie funktionieren, musst du vernünftige Vorarbeit leisten. Dann kommen die Lösungen aber quasi von selbst.

Mittlerweile schaffe ich mir jede Woche meine Water Moments ganz bewusst und konnte so viele Aufgaben lösen.

 

Gute Einfälle durch Ruhe

Aber warum kommen uns in den Water Moments die guten Einfälle?

Weil sie die Kreativität fördern.

Dazu ein Wort vorab: Kreativität kann nicht erzwungen werden, denn Kreativität läuft unterbewusst. Du kannst aber unterstützende Faktoren für deine Kreativität schaffen.

Ganz wichtig für Kreativität ist ein entspannter Zustand. Die Amerikaner umschreiben es mit einem „relaxed state of mind“. Dein Gehirn ist entspannt und führt keine schwierigen Tätigkeiten aus. Zudem bist du nicht auf irgendetwas fokussiert, sondern kannst deine Gedanken frei fließen lassen.

Ein zweiter wichtiger Faktor ist Dopamin. Alice Flaherty, eine der angesehensten Neurowissenschaftlerinnen auf diesem Planeten, fand heraus, dass wir mit erhöhter Dopaminmenge im Körper auch kreativer werden.

Wenn du jetzt an eine entspannende, warme Dusche denkst, wirst du diese beiden Faktoren auf jeden Fall wiederfinden.

Water Moments versetzen deinen Körper also in einen entspannten Zustand, in dem dein Unterbewusstsein arbeiten kann.

 

Der Schreihals und der Schüchterne

Du kannst dabei dein Bewusstsein und dein Unterbewusstsein mit zwei Menschen vergleichen, die an einem Problem arbeiten. Das Bewusstsein ist der laute, nicht immer intelligente Typ, der in den Meetings immer dazwischenruft und alles besser weiß. Ihr kennt diese Menschen.

Dein Unterbewusstsein ist der schüchterne, aber sehr intelligente Kollege. Auch diese Menschen kennt ihr.

Während der Schreihals noch erzählt, wie groß das Problem ist und das er die beste Lösung dafür hat, arbeitet der Schüchterne schon still daran. Der Laute steht immer noch vor der Gruppe und erklärt sich, findet aber keine Lösung.

Jetzt gilt es, diesen Typen abzulenken. Schickt ihn was zu essen holen oder setzt ihm eine schöne Frau vor die Nase.

Sobald er nicht mehr reden kann, kommt der Schüchterne und präsentiert die fertige Lösung.

Bringt den Schreihals zum Schweigen und die Lösung kommt von selbst!
Übersetzt auf das Gehirn bedeutet das: Entspannt euer Bewusstsein so sehr, dass es nicht mehr arbeitet. Dann kommt das Unterbewusstsein vorbei und löst die Aufgabe.

 

Futter für das Unterbewusstsein

Das alles hört sich furchtbar einfach an. Ein bisschen mehr Arbeit steckt aber schon dahinter, nur Duschen allein reicht nicht.

Damit dein Unterbewusstsein an dem Problem arbeiten kann, muss es erstmal damit gefüttert werden. Du musst dich also zuerst intensiv mit dem Problem auseinandersetzen. In dieser Zeit arbeitet dein Bewusstsein angestrengt an einer Lösung. Kommt das Bewusstsein zur Ruhe, können alle Fakten und Erkenntnisse in das Unterbewusstsein sickern, das dann die weitere Arbeit übernimmt.

 

Water Moments im Alltag

Du kannst meine bisherige Beschreibung nachvollziehen, hast aber keine Ahnung, wie du das umsetzen sollst?

Ich gebe dir ein Beispiel aus meinem Alltag.

Wenn ich vor einer neuen Aufgabe stehe, beschäftige ich mich intensiv damit. Ich füttere mein Bewusstsein mit Informationen und möglichen Lösungsansätzen. Vielleicht reicht das schon, um eine Lösung zu finden. Falls nicht, mache ich anschließend Sport. Leichten Sport, bei dem meine Gedanken noch frei fließen können. Wenn ich merke, dass ich mich zu sehr auf das Training konzentrieren muss, fahre ich die Intensität zurück. Mein Handy habe ich beim Sport nie dabei, deshalb kann es mich auch nicht ablenken.

So komme ich in einen entspannten Zustand, der Dopamin freisetzt. Ich bin also in einem klassischen Water Moment, auch wenn kein Wasser da ist.

Nach dem Duschen (zweiter Water Moment) setze ich mich dann wieder an die Aufgabe. Regelmäßig habe ich bereits beim Sport die passende Lösung gefunden oder sie ergibt sich jetzt beim erneuten Arbeiten.

Der wichtige Punkt bei diesem Prozess ist der Dreiklang:
Mit dem Problem beschäftigen – Entspannen und das Unterbewusstsein arbeiten lassen – wieder aktiv am Problem arbeiten.

Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Mein Vorteil ist auch, dass ich selten schnelle Entscheidungen schnell treffen muss. Ich arbeite nicht in der Notfallmedizin, von meiner Arbeit hängen keine Menschenleben ab. Ich kann ein Probleme also auch gerne mal mehrere Tage sacken lassen und mehr als einmal den Dreiklang durchlaufen, wenn ich noch keine Lösung habe.


Meine Sicht der Dinge

Schaffe dir Water Moments!

Diese kleinen Auszeiten vom Alltag sind nicht nur beim Lösen von Problemen hilfreich, sie fördern auch dein Wohlbefinden. Dadurch wirst du grundlegend entspannter und findest schneller Lösungen, was dich wieder schneller entspannen lässt. Ein toller Kreislauf!

 

Lass es dir gut gehen,

Stephan