2 Punkte, mit denen du eine Schreibroutine entwickelst

Schreibroutine

„Entwickele eine Schreibroutine.“

Alle haben es vorher gesagt.

Diesmal habe ich mich daran gehalten und es hat geklappt.

Die Sache mit den Routinen

In der Vorbereitung zu meinem ersten Buch habe ich viel über das Schreiben, die berühmte Muse und Routinen gelesen. Vor allem die Beiträge vom Schreibsuchti haben mich stark beeinflusst.

Meine Quintessenz aus dieser Recherche: Wenn du erfolgreich schreiben willst, brauchst du eine Routine.

Ah, Igitt, Routine. Dieses böse Wort. Wir arbeiten doch im Creative-Bereich (danke an Kraftklub), da ist Routine tödlich.

Falsch!

Die Routine ist es, die dich gerade zu Beginn viel erreichen lässt. Wenn du immer auf die Muse wartest, wirst du auch im Grab noch darauf warten.

Ich schreibe immer nur, wenn mich die Muse küsst. Zum Glück kommt sie pünktlich jeden Morgen um neun Uhr. - Unbekannt Klick um zu Tweeten

An diesem Satz ist viel dran, wie ich in den letzten Wochen gelernt habe.

Mit der Kreativität ist es wie mit einem Muskel. Er muss trainiert werden, sonst kann er nicht wachsen und auch keine Leistung bringen. Tägliches Training wird deine Muse wachsen lassen. Es wird Tage geben, wo du keine gerades Wort zu Papier bringst. Auch diese Tage sind wichtig, denn auch sie gehören zum Trainingsalltag. Es kann nicht nur erfolgreiche Tage geben. Aber du kannst diese Tage reduzieren, in dem du deine Muse an eine Routine gewöhnst.

Schreibroutine Teil 1: Die Muse aktivieren

Dein Gehirn ist leicht auszutricksen. Wenn du ihm immer wieder dieselbe Tätigkeit zur selben Zeit vorspielst, nimmt es sie als Routine hin und stellt sich darauf ein. Wie bei der Morgentoilette, die immer zur selben Zeit stattfindet.
Wenn dein Kopf weiß, dass du dich um neun Uhr zum Schreiben hinsetzt, bereitet er sich darauf vor.

Du kannst ihn noch weiter dabei unterstützen, indem du dir ein Ritual für den Beginn deines Schreibens zurechtlegst. Such dir für kreative Texte einen festen Ort, wo du diese schreibst. Und dann schreib nur an diesem Ort.
Ob das ein Café bei dir um die Ecke ist, dein Schreibtisch oder deine Couch im Wohnzimmer ist dir überlassen. Probiere ein paar Plätze aus und nimm den, wo es am besten klappt.
Im Idealfall trennst du diesen Ort von deinen sonstigen Aktivitäten. Dein Kreativort ist nicht der Ort für deine Buchhaltung (da solltest du generell wenig kreativ sein…), er ist auch nicht der Ort für YouTube. Es ist dein Schreibort.

Meine Muse

Auch ich habe mir so einen Ort geschaffen. Dabei habe ich meine eigenen Regeln aber gedehnt.

Böser Stephan! Wasser predigen und dann selber den Rum trinken.

Ich arbeite an meinem Schreibtisch. Dort schreibe ich mein Buch, aber auch meine Aufträge und meine Rechnungen. Trotzdem versetze ich mich jedes Mal, wenn ich mit dem Buch starte, in einen besonderen State of Mind. Der Trick dazu ist simpel:

Mein Laptop ist an einen externen Monitor angeschlossen, welcher drehbar ist. Bevor ich mit dem Schreiben beginne, drehe ich den Monitor um 90°, so dass er hochkant steht. Das erleichtert das Lesen und Schreiben, weil ich mehr Platz untereinander habe. Dann kommen die Kopfhörer auf die Ohren und passende Musik rein. Je nach Szene unterschiedlich, häufig aber House oder Deep House ohne Gesang. Dann sehe ich mir die heutige Szene im Detail an und visualisiere sie. Anschließend hacke ich auf die Tastatur ein.
Wenn ich fertig bin, drehe ich den Bildschirm zurück und mache die Musik aus. Das ist wie das Auftauchen aus einer anderen Welt.

Wir Menschen leben mit vielen Programmierungen. Wir sind auf bestimmte Reize trainiert, die teilweise auf unsere ersten Vorfahren zurückgehen. Du kannst diese Konditionierungen nutzen, indem du deine eigenen schaffst. Gib deinem Gehirn immer dieselben Reize in derselben Umgebung und schon stellt es sich darauf ein.
Pawlow und sein Hund wären stolz auf dich.

Probier dich aus und suche dir einen Ort oder ein Ritual, das deinen Schreibprozess einleitet. Teste ihn und passe ihn an. Dann bleib dabei.

Schreibroutine Teil 2: Eine Wortzahl festlegen

Nachdem du deinen Ort und deine Zeit gefunden hast, geht es um die Masse.
Ja, Klasse ist wichtiger als Masse. Aber wenn du jeden Tag nur einen wunderschönen Satz schreibst, wird dein Buch nicht fertig.

Setze dir ein Tagesziel, ohne das du den Schreibtisch nicht verlässt. Bis du dieses Ziel nicht erreicht hast, darfst du nichts anderes machen. Okay, Pipi vielleicht.

Stephen King schreibt jeden Tag vier Stunden, bevor er etwas anderes macht. JEDEN Tag. King ist ein erfahrener und sehr erfolgreicher Autor. Deshalb ist er ein gute Anhaltspunkt für Produktivitätsrituale.

Vier Stunden wirst du am Anfang nicht schaffen, ich schaffe sie jetzt noch nicht. Generell ist es am Anfang auch nicht sinnvoll, sich ein Zeit-Ziel zu setzen. Denn auch wenn du unproduktiv am Schreibtisch sitzt, vergeht die Zeit. Setze dir besser ein Wortziel.
500 Wörter pro Tag, 1.000 Wörter pro Tag, 1.500 Wörter pro Tag. Deine Wahl. Du hörst nicht auf, bis du diese Zahl an Wörtern geschrieben hast. Du musst dann nicht Schluss machen. Lass die Finger fliegen, wenn du gerade im Flow bist. Höre aber auf keinen Fall vor dieser Zahl auf.

Ein zusätzlicher Trick

Wenn du ganz am Anfang stehst und noch keinerlei Vorerfahrung mit dem Schreiben hast, hilft dir zusätzlich dieser kleine Trick:
Schreibe einen Satz pro Tag.

Wo ein Satz ist, kommt schnell ein zweiter und ein dritter. Das ist wie mit dem Teufel und dem dicksten Haufen. Es gesellt sich immer mehr dazu.
Setze dich mit dem Ziel hin, einen einzigen Satz zu schreiben. Wenn dieser Satz steht, wirst du den nächsten schreiben wollen. Und dann noch einen.

Wenn du schon Erfahrung als Texter, Autor oder sonstwie mit dem Schreiben hast, kannst du diesen Trick natürlich auch nutzen. Mit Vorerfahrung macht ein Ziel wie 500 Wörter aber mehr Sinn. Du kennst bereits die Abläufe beim Schreiben, du musst sie nicht neu lernen.

Ich setze mir 1.000 Wörter pro Tag als Ziel, wenn ich am ersten Entwurf sitze. Wenn ich die Szene gut geplant habe, bin ich in maximal 1,5 Stunden damit durch. Wie gesagt, es ist der erste Entwurf. Davon gehen am Ende wieder 200 Wörter in den Schredder. Das ist egal. Es geht darum, etwas zu schaffen, das du später korrigieren kannst.

Eine leere Seite kann man nicht editieren. Klick um zu Tweeten

Wichtig ist, dass du eine Routine entwickelst. Das ist auch im Kreativbereich nicht spießerhaft, sondern wird dich zu deinem Ziel bringen.

Vielleicht hast du schon eine Routine und ein Ziel. Dann lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Oder du nutzt ganz andere Methoden. Auch dann freue ich mich über einen Kommentar.

Glück auf
Stephan

Bildquelle:
rawpixel | Pixabay, CC0


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