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Entscheidungen treffen: 5 Methoden, die es dir leichter machen

Entscheidungen treffen

„Soll ich’s wirklich machen oder lass ich’s lieber sein?“ – Die Fantastischen Vier: Jein

Entscheidungen treffen fällt uns nicht immer leicht. Dabei sind selbst die größten Zögerer unter uns wahre Entscheidungs-Magier. Der Verhaltensforscher Ernst Pöppel hat herausgefunden, dass Menschen bis zu 20.000 Entscheidungen pro Tag treffen.

20.000!

Viele dieser Entscheidungen laufen unterbewusst ab. Ob du mit der linken oder rechten Hand nach der Kaffeetasse greifst zum Beispiel. Oder wie lange du auf einem Brötchen kaust, bis du es runterschluckst.

Zum Glück läuft das alles unterbewusst ab. Stell dir vor, du müsstest jede dieser banalen Entscheidungen abwägen. Du würdest über Pro und Contra nachdenken und dich dann erst entscheiden. Bis dahin ist der Kaffee wahrscheinlich kalt.

Viel schlimmer wäre aber, dass du eine wertvolle Ressource verschwendest. Andere Forscher behaupten in Ergänzung zu den Erkenntnissen von Pöppel, dass von diesen 20.000 Entscheidungen nur 50 wirklich qualitativ sind.

 

Qualitative Entscheidungen

Qualitativ heisst in dem Zusammenhang, dass sie nach einem bewussten Auseinandersetzen mit dem Problem getroffen werden. Eine qualitative Entscheidung ist demnach schon die Wahl der Kleidung am Morgen. Diese These ist auch der Grund, warum viele kreative Köpfe immer dieselben Klamotten anhaben. Sie wollen sich ihre guten Entscheidungen lieber für wirkliche Probleme aufheben. Das prominenteste Beispiel hierfür ist Steve Jobs, der immer mit einem schwarzen Rollkragenpullover und einer blauen Jeans auflief.

Entscheidungen treffen heisst, aktiv zu leben. Es gibt Menschen, die lassen für sich entscheiden. Diese Menschen sind nicht Herr über ihr eigenes Leben. Sie machen, was andere ihnen vorgeben. Entscheidungen zu treffen ist die Chance, dein Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Dazu ein Beispiel aus meinem Freundeskreis. Ein gemeinsamer Urlaub steht an.

„Der Termin könnte passen. Aber sicher ist das nicht, vielleicht habe ich bis dahin einen neuen Job.“

„Oh, warum? Will deine Firma dich loswerden?“

„Nein, die wollen mich wohl ewig behalten. Aber so schön ist es da ja nicht. So langweilig. Aber sie zahlen immerhin pünktlich.“

Meine Augen verdrehen sich und ich seufze innerlich. Vielleicht auch äußerlich. Diese Diskussion führe ich mit dem Freund jetzt schon zum vierten Mal in einem halben Jahr.

Sein Problem ist, dass er sich nicht entscheiden kann: Im sicheren, aber langweiligen Job bleiben oder aktiv etwas Neues suchen, was aber eine Unsicherheit birgt.

Welche von beiden Entscheidungen die richtige ist, will ich gar nicht beurteilen. Ich sehe aber, was das Aufschieben der Entscheidung mit sich bringt. Eine dauerhafte Unzufriedenheit, gepaart mit „Was wäre wenn…“-Gedanken. Diese Mischung ist tödlich, im schlimmsten Fall führt sie nach einer gewissen Zeit zu einer echten Sinnkrise.

Dieses Zögern entsteht meistens aus der Angst vor den Konsequenzen der Entscheidung. Es bringt außerdem noch einen negativen Effekt mit sich: es kostet. Nicht unbedingt Geld, aber mit Sicherheit Zufriedenheit und damit Lebensqualität. Vielleicht kostet dieses Zögern auch die eine oder andere echte Chance zur Verbesserung, weil die Person sich nicht entscheiden konnte.

Um das zu umgehen, musst du Entscheidungen treffen und zwar echte Entscheidungen. Nach einer echten Entscheidung gibt es keinen Weg mehr zurück. Du hältst dir keine Hintertür offen, sondern stehst voll und ganz zu deiner Entscheidung – mit allen Konsequenzen.

Wie aber triffst du solche Entscheidungen?


Methoden zur Entscheidungsfindung

Es gibt verschiedene Methoden zur Entscheidungsfindung. Einige sind sehr populär, andere weniger bekannt, aber nicht minder effektiv.

 

1. Pro- und Contra-Liste

Der Klassiker bei der Entscheidungsfindung ist die Pro- und Contra-Liste. Du nimmst ein Blatt Papier und ziehst in der Mitte einen Strich. Auf die eine Seite schreibst du alle Vorteile der Entscheidung, auf die andere Seite alle Nachteile. Jetzt wägst du diese gegeneinander ab und entscheidest dich für eine Seite.

Hört sich in der Theorie schön einfach an, ist es aber in der Praxis nur selten.

Denn meistens gibt es nicht die eine deutlich bessere Seite. Die Argumente halten sich die Waagschale und du musst priorisieren. Die Entscheidung an sich verzögert sich also nur etwas. Trotzdem haben diese Listen einen großen Vorteil; du erhältst so einen guten Überblick. Beim Notieren der jeweiligen Argumente musst du dich noch einmal intensiv mit der Situation auseinander setzen. Das kann häufig zu neuen Erkenntnissen führen.

 

2. Körpermodell

Das Körpermodell habe ich schon jahrelang durchgeführt, ohne es beim Namen zu kennen. Wahrscheinlich wirst du dir gleich auch denken: „Klar, mache ich auch. So heisst das also!“ Ich bin auf den Begriff Körpermodell im Buch „Tools der Titanen“ von Tim Ferriss gestossen, als er Scott Adams interviewt.

Beim Körpermodell überlegst du dir verschiedene Alternativen für eine Entscheidung. Das können nur zwei sein (machen oder lassen), aber auch mehrere (machen, lassen, machen mit Veränderungen…). Die Alternativen hältst du fest, am besten schriftlich. Das ist wichtig, damit du anschließend wieder alle Möglichkeiten parat hast und keine vergisst.

Du lässt das Ganze jetzt etwas sacken und beschäftigst dich mit anderen Dingen. Anschließend nimmt du dir die Liste wieder zu Hand und gehst Punkt für Punkt durch. Bei jedem Punkt achtest du genau auf deinen Körper. Was sendet er dir für Signale? Ist da eine leichte Gänsehaut bei Punkt 1? Bekommst du Bauchgrummeln bei Punkt 3? Verspürst du eine angenehme Erregung bei Punkt 7?

Nimm den Punkt, bei dem dein Körper die positivsten Signale aussendet. Kein Grübeln mehr, hör auf deine Intuition.

Du kannst das Körpermodell übrigens auch direkt beim Aufschreiben der Alternativen anwenden. Wenn du bei Punkt 2 den Stift vor lauter Unwohlsein kaum noch halten kannst, solltest du diesen nicht wählen.

Das Körpermodell basiert auf dem berühmten Bauchgefühl. Ich bin ein großer Fan davon. Ich kann mich an keine Situation in meinem Leben erinnern, wo mich mein Bauchgefühl bei wirklich wichtigen Entscheidungen getäuscht hätte. Es fallen mir im Gegenteil sogar einige Entscheidungen ein, die ich gegen mein Bauchgefühl getroffen habe und die sich als schlecht herausstellten.

Bei einer Entscheidung durch das Bauchgefühl gleicht dein Gehirn die aktuelle Situation mit vergleichbaren Situationen aus deiner Vergangenheit ab. Daraus leitet es eine Entscheidung ab, die in den vergangenen Situationen das beste Ergebnis gebracht hätte und teilt dir diese mit. Die Entscheidung beruht also auf gemachten Erfahrungen.

Kritisch wird es dann, wenn dein Bauch eine solche Entscheidung trifft, die Bedingungen sich aber geändert haben. Der Abgleich mit den vorherigen Situationen ist das nicht korrekt und kann schnell zu falschen Schlüssen führen.

 

3. Fragestellung ändern

Häufig beginnt eine Entscheidungsfindung mit der Frage: „Welche Alternative soll ich wählen?“ Dann beginnt die logische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und das Abwägen.

Ich stelle mir diese Frage nur noch selten. Bei mir hat sich eine andere Frage durchgesetzt, die mich schneller an mein Ziel bringt.

Ich frage mich bei schwierigen Entscheidungen nicht mehr „Was will ich?“.

Meine Frage lautet jetzt: „Was für ein Mensch möchte ich sein?“

Diese Änderung der Frage bringt erstaunliche Konsequenzen mit sich. Es geht jetzt nicht mehr darum, was du willst, sondern wer du sein willst. Mit diesem Kniff entscheidest du auf einer ganz anderen Ebene und stellst dir vor allem andere Fragen dabei.

Nehmen wir als Beispiel den Klassiker: Leben in der Stadt oder Leben auf dem Land?

In der „Was will ich?“ Version überlegst du jetzt, was die Vor- und Nachteile sind. Saubere Luft vs längere Wege. Gemeinschaft vs Anonymität. Ruhe vs Trubel. Und so weiter. Daraus kannst du eine schöne Liste machen und eine rationale Entscheidung treffen.

Fragst du dich aber „Was für ein Mensch möchte ich sein?“, bekommt das Ganze eine viel tiefere Komponente. Dann geht es stärker um Emotionen und die eigenen Wünsche.

„Ich möchte der trendige Großstädter sein, der morgens mit seinem Coffee-to-go in sein Eckbüro geht und abends durch die Bars zieht.“

Oder: „Ich bringe meine Kinder mit dem Rad zur Kita, um auf dem Rückweg bei der Bäuerin zu halten und wie jeden Morgen entspannt zu tratschen.“

Achtung: das war Klischeedenken!

Das Prinzip dürfte aber klar sein. Mit der neuen Fragestellung siehst du dich als Mensch im Kontext deiner Entscheidung. Bei der alten Frage geht es mehr um die harten Fakten.
Diese unterschiedliche Betrachtung kann erstaunliche Resultate hervorbringen.

 

4. Hell yeah or no

Ich treffe einige meiner Entscheidungen gerne nach einem weiteren Muster. Das funktioniert am besten bei klassischen Ja oder Nein Fragen. Zum Beispiel: „Soll ich diese Geschäftsidee verwirklichen?“

Dabei verfahre ich nach dem Motto:

„Either it’s a hell yeah or it’s a no!“

Wenn mich die Möglichkeit nicht komplett umhaut, mache ich sie nicht. Klingt einfach und ist es auch. Das hat mir schon viel Zeit und Mühe gespart.

 

5. Deiner Vision folgen

Diese Methode ist auch unter dem Namen „Nordstern“ bekannt und die für mich kraftvollste von allen. Sie ist so mächtig, dass ich ihr bald noch einen eigenen Artikel widmen werde.

Dabei ist sie auf den ersten Blick nicht spektakulär: Du erstellst ein Idealbild deines Lebens und triffst alle Entscheidungen auf Basis dieses Idealbildes. Fertig.

Klingt einfach, oder? Ist es im Prinzip auch. Es sind allerdings die Details, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Wenn du dich hinsetzt, um dein Idealbild zu entwerfen, wirst du schnell auf Hürden stoßen. Weißt du wirklich genau, wie dein perfektes Leben aussieht? Ich habe mehrere Wochen gebraucht, um mir darüber klar zu werden.

Die Arbeit hat sich aber gelohnt. Bei jeder Entscheidung führe ich mir dieses Idealbild vor Augen. Dann prüfe ich, ob mich die Entscheidung näher zu dem Idealbild hinführt. Wenn ja, mache ich es so. Wenn nicht, dann nicht.

Konsequent auch nach der Entscheidung

Herzlichen Glückwunsch, du hast eine Entscheidung getroffen. Warum guckst du denn so unglücklich? Haderst du schon wieder mit der getroffenen Entscheidung?

Ein ganz wichtiger Punkt beim Treffen von Entscheidungen ist die Konsequenz, mit der du vorgehst. Mach es oder lass es. Aber lauf’ nicht dauernd mit dem Gedanken rum, „Was wäre wenn…“

Das betrifft die Entscheidung an sich, aber auch das Verhalten danach.

Wenn du einmal eine Entscheidung getroffen hast, dann steh dazu. Dadurch wirst du ein neues Gefühl von Freiheit spüren, denn die Entscheidung ist aus deinem Kopf raus und du kannst dich wieder auf neue Dinge konzentrieren.

 

Meine Sicht der Dinge

Triff Entscheidungen!

Triff Entscheidungen dann, wenn sie anstehen!

Damit meine ich nicht, dass du die Entscheidung über einen Hauskauf innerhalb von drei Minuten treffen musst. Aber du sollst dich sofort damit befassen. Stelle Überlegungen an, wähle eine der vorgestellten Methoden und dann entscheide dich. Das kann auch mal einige Zeit dauern. Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Aufschieben einer Entscheidung und dem sorgfältigen Abwägen. Das eine ist unnötig und kostet Zeit, Geld und Nerven. Das andere ist ein wesentlicher Bestandteil jeder Entscheidungsfindung.

Mehr schnell, aber sorgfältig, getroffene Entscheidungen werden dein Leben bereichern.

Du wirst merken, dass du so viel mehr schaffst, weil dein Kopf frei wird. Du trägst keine Entscheidungen ewig lange mit dir herum, sondern kannst dich wieder anderen Dingen widmen.

Lass es dir gut gehen,

Stephan