Besser Arbeiten

Hast du auch das Gefühl, zu wenig zu verdienen – obwohl du hochqualifiziert bist?

Angemessen verdienen

Mein Blick in der Speisekarte geht automatisch in die rechte Spalte. Dorthin, wo die Preise stehen.

„Entschuldigung, Herr Ober? Kann man die Speisen nach Preis sortieren – in aufsteigender Reihenfolge? Dann weiß ich schneller, was ich mir leisten kann.“

Es gibt nur wenige Themen, über die so viel diskutiert wird wie über Geld und Gehalt. Durch den wundervollen Podcast „Der Morgenmensch“ von Frank Eilers, bin ich auf die Blogparade #NewPay aufmerksam geworden. Das Team von CO:X widmet sich im Monat Oktober dem Thema „Was verdienen wir eigentlich?“.

Ich kenne nur wenige Menschen, die sich angemessen bezahlt fühlen. Interessanterweise ist dieses „angemessen“ nicht von der absoluten Höhe abhängig. Ein Freund von mir verdient über 100.000 € im Jahr und für ihn ist das angemessen. Ein anderer Freund verdient 50.000 € und findet das auch angemessen. Ob man ein Gehalt verdient oder nicht, ist eine rein subjektive Empfindung. Der eine Freund verdient doppelt so viel wie der andere und beide finden ihr Gehalt angemessen.

In meinem Freundeskreis bilden diese beiden allerdings die Ausnahme. Fast alle anderen sind der Meinung, zu wenig zu verdienen. Wenn ich mich umhöre, ist das auch der Tenor in vielen Teilen der Gesellschaft. „Mein Gehalt ist nur ein Schmerzensgeld.“ „Die wissen mein Können überhaupt nicht zu schätzen.“ „Ich leiste doch so viel für die Firma.“

Diese Sätze hat bestimmt jeder schon einmal gehört.

Ich habe sie sogar selber ziemlich häufig gesagt. Ich war der festen Überzeugung, viel mehr zu verdienen, als ich wirklich bekommen habe. Mein Arbeitgeber kannte meinen Wert nicht, habe ich gedacht.

Mein eigener Irrtum

Nun ja, mit etwas Abstand ist man meistens schlauer. Mit Sicherheit wären ein paar Euros mehr drin gewesen, aber im Kern des Ganzen hatte ich vielleicht wirklich nicht mehr Wert für die Firma. Das Wort „Verdienen“ kommt vom Wort „Dienen“. Ich verdiene so viel, wie ich der Firma diene. Und zwar nicht zeitlich, sondern inhaltlich. Wenn ich meinem Arbeitgeber nicht genug dienen kann, verdiene ich auch nicht mehr. Das war für mich eine bittere Erkenntnis, aber sie hat mich weiter gebracht.

Das beste Beispiel dafür war mein Zusatzstudium. Ich habe nebenberuflich einen MBA gemacht. Nach dem Abschluss sollte ich doch automatisch auch mehr verdienen, oder? Nein. Denn nur weil ich ein Blatt Papier mit einem schönen Titel habe, erhöht sich nicht automatisch mein Wert. Dieses Blatt Papier macht mich nicht zum besseren Diener, um in dem Bild von oben zu bleiben. Nur wenn ich das Gelernte auch gewinnbringend anwende, verdiene ich auch mehr.

Sollte ich aber wirklich Mehrwert schaffen und trotzdem nicht mehr verdienen, bin ich eventuell an der falschen Position. Meine neue Fähigkeiten dienen an dieser Stelle dem Unternehmen nicht mehr als vorher. Dann wird es Zeit für eine Veränderung. Entweder im Unternehmen, oder mit dem Wechsel zu einem anderen Unternehmen. Das habe ich damals auch erkannt und das Unternehmen gewechselt. Meine neugewonnenen Fähigkeiten passten besser zu der neuen Position und da ich dort besser dienen konnte, habe ich auch mehr verdient.

Wenn du mehr verdienen willst, musst du dir als Angestellter die Position oder das Unternehmen suchen, wo du mit deinen Fähigkeiten am besten dienen kannst. Eine gute theoretische Qualifizierung reicht da nicht, du musst deine Fähigkeiten auch praktisch einbringen können.

Die Bezahlung als Selbstständiger

Mittlerweile bin ich selbstständig. Das Grundproblem ist aber dadurch nicht verschwunden, es hat sich nur verlagert.

Die Anfänge der Selbstständigkeit waren schwer. Trotz aller Tipps habe ich mich komplett unter Wert verkauft. 6 € Stundenlohn waren eher die Regel denn die Ausnahme. Bei vielen Texterportalen war am Anfang aber nicht mehr zu holen. Auf diesen Plattformen konnte ich nicht richtig dienen. Die Leute dort suchen maximal günstige Textproduzenten, die Qualität zum Dumping-Preis abliefern. Richtige Qualität wird dort nur geschätzt, wenn man sie zum Hungerlohn anbietet.

Entsprechend schnell habe ich mich von diesen Portalen verabschiedet. Ich wollte keine Fließbandarbeit abliefern, sondern wirklichen Mehrwert stiften. Für mich bedeutet das, schöne Texte mit wertvollem Inhalt zu schreiben.

Meine Aufgabe bestand also darin – und tut es immer noch – Unternehmen und Personen zu finden, denen ich mit diesem Ansatz dienen am besten kann. Dann bekomme ich auch mehr als 6€/h. Das gelingt mir gut und mein Stundenlohn ist mittlerweile deutlich höher.

Verdiene ich genug?

Meine ich deshalb, dass ich jetzt genug verdiene?

Das ist die Gretchenfrage und sie ist schwer zu beantworten. Vor allem, weil ich mich automatisch mit anderen vergleiche. Ich stehe im Austausch mit anderen Freiberuflern und lese auch viel von und über die Kollegen. Dort werden dann schnell Stundensätze von 100 € als Norm genannt. Bei vier Stunden Schreiben am Tag und zwanzig Tagen Arbeit im Monat, kommt man so auf 8.000 € brutto. Plus noch ein oder zwei Vorträge zu je 3.000 €.

Messe ich mich daran, verdiene ich eindeutig zu wenig.

Oder doch nicht?

Viele der Kollegen haben schon mehrere Jahre Erfahrung und viele Schulungen und Seminare hinter sich. Das erkennt man auch an ihren Texten. Die sind einfach (noch) besser als meine. Die Differenz in der Bezahlung ist also gerechtfertigt.

Sollte ich jetzt den Kopf in den Sand stecken? Mitnichten.

Hör auf, dich zu vergleichen

Denn auch sie haben mal klein angefangen (viele Selbstständige sind so freundlich und legen offen ihre Anfangstage dar). Sie sind einfach nur schon weiter als ich. Es macht aber überhaupt keinen Sinn, ihre Situation mit meiner zu vergleichen. Ich bin bei Schritt fünf, sie sind bei Schritt 100. Das so Differenzen auftreten, liegt in der Natur der Sache. Da kann ich nur zu dem Schluss kommen, zu wenig zu verdienen.

Bei der Frage, ob du genug verdienst, solltest du dich deshalb frei von Vergleichen machen. Diese sind fast nie passend und messen zwei unterschiedliche Stadien der Entwicklung.

Sei bei der Beantwortung auch so ehrlich und unterscheide zwischen „Verdienen“ und „Bekommen“. Viele Leute bekommen einen Haufen Geld, verdienen aber nur einen Bruchteil davon. Umgekehrt ebenfalls.

Frage dich immer, ob du deinem Geldgeber (sei es ein Unternehmen oder ein Auftraggeber) so gut dienst, dass du mehr Geld bekommen solltest. Falls ja, leg ihm dar warum das so ist und verhandle deine Preise neu. Falls nicht, bilde dich fort. Und zwar sinnvoll, damit du anschließend wirklich mehr Wert bietest. So verdienst du mehr und bekommst auch mehr.

Welchen Weg wirst du gehen?

 

Lass es dir gut gehen,

Stephan

2 Gedanken zu „Hast du auch das Gefühl, zu wenig zu verdienen – obwohl du hochqualifiziert bist?

  1. Das war wirklich sehr hilfreich und ehrlich, nach 30 Jahren Arbeitswelt mit anfänglichem Angestellten dasein, dann weitere Ausbildungen und Selbständigkeit mit 25 – bin ich nach all den Jahren zu dem Entschluss gekommen Networkmarketing das fairste Geschäftsmodell ist. Auch wenn man die erste Jahre maßlos Unterbezahlt ist (wie oft als Einzelunternehmer) und dann später ist man maßlos Überbezahlt.
    Gute Geschäfte wünscht Kerstin aus Berlin

    1. Hallo Kerstin,
      vielen Dank!
      Ich glaube, so ist es immer, wenn man selbstständig startet. Am Anfang muss man viel reinstecken, um nachher dann die Früchte ernten zu können.
      Was nicht heißen soll, dass es später von alleine läuft 😉

      Ich wünsche dir ebenfalls gute Geschäfte und dass sich dein Leben nach deinen Wünschen entwickelt.

      Lass es dir gut gehen,
      Stephan

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